Grüner Strom aus Laudenbach
Ein Erfolgsmodell: An der A5 geht mit einer Leistung von 7,8 Megawattpeak die größte Photovoltaikanlage der GGEW symbolisch in Betrieb. Das Besondere daran: Seit den ersten Überlegungen im Jahr 2022 hat der Gemeinderat alle Beschlüsse dazu einstimmig gefasst – weil Verwaltung und Gemeinderat frühzeitig Kriterien festgelegt und die ortsansässigen Landwirte einbezogen haben. Infos zu Beteiligungsmöglichkeit und Bürgerstromtarif folgen.
Ein weiterer Baustein der Energiewende vor Ort ist am Netz: Die GGEW AG hat ihre neue Photovoltaik-Freiflächenanlage in Laudenbach symbolisch in Betrieb genommen. Gemeinsam gaben GGEW-Vorstand Carsten Hoffmann, die Bensheimer Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der GGEW AG, Christine Klein, sowie Laudenbachs Bürgermeister Benjamin Köpfle den offiziellen Startschuss für die Anlage westlich der Autobahn A5.
Größte PV-Freiflächenanlage der GGEW
Mit einer Leistung von rund 7,8 Megawattpeak ist die Anlage das bislang größte Photovoltaikprojekt der GGEW und eine der größten Anlagen in der gesamten Region. Auf einer Fläche von rund sechs Hektar erzeugen etwa 11.000 Module künftig bis zu 8,4 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit ist der Laudenbacher Solarpark beispielsweise mehr als doppelt so leitungsfähig wie die bestehende Anlage auf Heppenheimer Gemarkung auf der gegenüberliegenden Autobahnseite.
Strom für 3.000 Haushalte
Der vor Ort erzeugte Grünstrom wird in das regionale Stromnetz eingespeist und reicht rein rechnerisch für etwa 3.000 Haushalte – damit würde die Anlage fast alle Privathaushalte in der Froschgemeinde abdecken und rund 20 Prozent des gesamten Strombedarfs (inklusive Industrie).
Erfolgsmodell: Einbindung von Anfang an
Bei der symbolischen Einweihung – ans Netz geht die Anlage erst Ende des Jahres – blickte Bürgermeister Benjamin Köpfle auf die Entstehung des Projekts zurück. Bereits seit dem Jahr 2022 hatten sich Verwaltung und Gemeinderat mit dem Thema beschäftigt, weil die Energiewende eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ sei, wie der Rathauschef betonte. „Auch als kleine Gemeinde wollen wir unseren Teil beitragen und uns bei dieser großen Aufgabe, die Energiewende auch vor Ort umzusetzen, nicht verstecken. Das wird nun konkret sichtbar“, so Köpfle. Außerdem leiste die Anlage einen Beitrag dazu, energietechnisch unabhängiger zu werden. Zu einem Laudenbacher Erfolgsmodell sei die Anlage nun vor allem deshalb geworden, weil man von den ersten Überlegungen bis zur Fertigstellung hin immer alle Beteiligten eingebunden habe – allen voran Landwirte und den Naturschutz. Die Gemeinde hatte sich frühzeitig mit allen ortsansässigen Landwirten verständigt und nach Ausgleichs-Ackerflächen gesucht, der Gemeinderat wiederum hatte vorab klare Kriterien für den Solarpark im Hinblick auf Flächenverbrauch und Naturverträglichkeit festgelegt. „So haben wir im gesamten Prozess Akzeptanz geschaffen und immer einstimmige Beschlüsse im Gemeinderat gefasst“, betonte Köpfle. Klar war für den Gemeinderat außerdem: Ein lokal verwurzeltes Unternehmen soll die Anlage umsetzen.
Mit der GGEW habe man, erklärte der Rathauschef bei der Einweihung, genau den richtigen, regionalen Partner gefunden. „Mit der Anlage in Laudenbach setzen wir unsere Strategie konsequent fort, die erneuerbare Stromerzeugung in unserer Region auszubauen. Besonders freut mich, dass wir dieses Projekt gemeinsam über die Landesgrenze hinweg realisieren konnten“, sagte GGEW-Vorstand Carsten Hoffmann. „Als kommunal verankertes Unternehmen endet unser Verständnis von Regionalität nicht an der hessisch-baden-württembergischen Landesgrenze. Entscheidend ist, gemeinsam mit den Kommunen konkrete Projekte für eine zukunftssichere Energieversorgung voranzubringen.“ Ein ergänzender Grünstromspeicher wurde bei der Planung berücksichtigt.
Enge Zusammenarbeit über Landesgrenze hinweg
Eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung war die enge Abstimmung zwischen der GGEW und der Gemeinde Laudenbach. Von der Projektentwicklung über die Genehmigungsphase bis zur Realisierung standen beide Seiten kontinuierlich miteinander im Austausch. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Laudenbach war von Beginn an ausgesprochen konstruktiv, pragmatisch und vertrauensvoll“, betonte Florian Grob, Bereichsleiter Erneuerbare Energien bei der GGEW, „gerade bei Projekten dieser Größenordnung ist ein enger Austausch mit der Kommune ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Dafür möchten wir uns ausdrücklich bei Bürgermeister Benjamin Köpfle und allen Beteiligten in der Gemeindeverwaltung bedanken.“
Auch Christine Klein, Bürgermeisterin der Stadt Bensheim und Aufsichtsratsvorsitzende der GGEW, hob die regionale Dimension hervor: „Die Anlage zeigt, was kommunal getragene Energiewende leisten kann: Verantwortung für die Region übernehmen, erneuerbare Energien ausbauen und dabei über Gemeinde- und Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Dass die GGEW ihr Engagement in diesem Bereich weiter ausbaut, ist ein wichtiges Signal.“
Von der Planung bis zur fertigen Anlage
Die Fläche westlich der A 5 bietet gute Voraussetzungen für die Erzeugung von Solarstrom. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zur Autobahn und gehört damit zu den sogenannten privilegierten Flächen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Zugleich ist das Areal für eine landwirtschaftliche Nutzung vergleichsweise wenig attraktiv.
Die technische Umsetzung des Projekts begleitete auf Seiten der GGEW Moritz Koch, Projektleiter im Bereich Erneuerbare Energien. „Von den ersten Planungen bis zur fertigen Anlage greifen bei einem Projekt dieser Größenordnung viele unterschiedliche Arbeitsschritte ineinander. Umso schöner ist es, die Anlage nun tatsächlich in Betrieb zu sehen und künftig hier vor Ort erneuerbaren Strom zu erzeugen“, so Koch. Als Generalunternehmer war IBC SOLAR für die Realisierung der Anlage verantwortlich. Die GGEW dankt dem Unternehmen sowie allen weiteren Projektbeteiligten für die gute Zusammenarbeit und die erfolgreiche Umsetzung.
Rasenmäher im Wollmantel & Nistkästen
Neben der Stromerzeugung spielt auch die Naturverträglichkeit der Anlage eine wichtige Rolle. Weil durch die Ständerbauweise praktisch keine Versiegelung stattfindet, dienen die Flächen unter den Modulen als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten. Schon jetzt fungiert eine Schafsherde eines ortsansässigen Schäfers als natürliche Rasenmäher, außerdem befinden sich Nistkästen und Landestangen für Vögel auf dem Gelände. Ein etwa 2.500 Quadratmeter Grünstreifen dient künftig als Lebensraum für Insekten.
Bürgerinnen und Bürger sollen profitieren
Neben Unternehmen und der Gemeinde sollen in Zukunft auch die Bürger selbst von der Anlage profitieren können. Wie versprochen wird die GGEW eine finanzielle Beteiligungsmöglichkeit und einen speziellen Stromtarif für Laudenbachs Einwohner schaffen. Noch müssen sich die Laudenbacher aber gedulden – konkrete Informationen dazu sollen folgen. „Die Energiewende findet nicht irgendwo statt, sondern direkt vor Ort. Deshalb ist uns wichtig, dass auch die Menschen in Laudenbach einen konkreten Bezug zu dieser Anlage haben und von ihr profitieren können“, so Hoffmann. Über die konkrete Ausgestaltung der Beteiligungsmöglichkeit und des Stromtarifs wird die GGEW gesondert informieren.