Aktuelles aus der Gemeinde: Gemeinde Laudenbach

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Knochenfunde Kirchenvorplatz: Untersuchung abgeschlossen.

Artikel vom 26.01.2026

Im Zuge der Bauarbeiten für das neue Gemeindehaus auf dem Vorplatz der evangelischen Kirche in Laudenbach wurden im Februar 2020 menschliche Knochen entdeckt. Die Arbeiten wurden daraufhin kurzfristig unterbrochen und der Fund gemeldet. Obwohl das zuständige Landesamt für Denkmalpflege seinerzeit keine Notwendigkeit für weitere Untersuchungen sah, hatten Gemeinde, evangelische Kirchengemeinde und der Laudenbacher Historiker und Archäologe Fabian Simon Zink in der Folge eine fachliche Untersuchung der Funde sowie eine Altersbestimmung veranlasst, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Die wissenschaftliche Auswertung, die Fabian Simon Zink maßgeblich verantwortete, zeigt, dass es sich bei den Knochen um die Überreste eines sogenannten Ossuariums (Beinhauses) handelt. Solche Anlagen waren im Mittelalter üblich, wenn auf Friedhöfen Platzmangel herrschte und ältere Gräber aufgelöst wurden. Die Knochen wurden dabei gesammelt und erneut bestattet.

Mittels naturwissenschaftlicher Radiokarbondatierung (C-14) des Curt-Engelhorn-Zentrums für Archäometrie in Mannheim konnten die Funde in das Spätmittelalter eingeordnet werden. Die untersuchten Proben datieren mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Zeitraum zwischen dem Ende des 13. und der Mitte des 15. Jahrhunderts. Diese Datierung wird durch keramische Beifunde und die historische Entwicklung des Kirchenareals bestätigt.

Pfarrerin Birgit Risch betont den respektvollen Umgang mit den Funden: „Für uns als Kirchengemeinde war von Anfang an klar, dass mit den menschlichen Überresten mit größter Achtung und Würde umgegangen werden muss. Die Untersuchung hilft uns, diesen Menschen aus der Vergangenheit ihren historischen Kontext zurückzugeben und sie nicht anonym im Boden zu belassen.“

Die Knochen stammen von Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts – vom Säugling bis zum hochbetagten Erwachsenen. Es handelt sich nicht um Hinweise auf ein Gewaltverbrechen oder einen außergewöhnlichen Todesfall, sondern um die Überreste der damaligen Laudenbacher Bevölkerung, die ursprünglich auf dem historischen Friedhof rund um die Kirche bestattet war.

Bürgermeister Benjamin Köpfle erklärt: „Der Fund ist für Laudenbach archäologisch und historisch von großer Bedeutung. Er zeigt eindrucksvoll, welche Rolle der Kirchenbereich über Jahrhunderte hinweg gespielt hat. Gleichzeitig war es uns wichtig, Transparenz zu schaffen und die Bürgerschaft zu informieren.“

Die Funde stehen in engem Zusammenhang mit der langen Geschichte des Kirchenstandorts, der nach heutiger Kenntnis seit über 1.000 Jahren als kirchliches und sepulkrales Zentrum genutzt wurde. Der alte Friedhof wurde im 19. Jahrhundert aufgegeben und geriet in Vergessenheit, bis er durch die Bauarbeiten wieder ins Bewusstsein rückte.

Gemeinde und Kirchengemeinde haben die Untersuchungen eng begleitet. Die Ergebnisse der Untersuchung von Archäologe Fabian Simon Zink wurden auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege rückgekoppelt und bestätigt. Über den weiteren Umgang mit den Knochen – etwa eine würdige Wiederbestattung oder eine begrenzte Präsentation ausgewählter Funde im Rahmen der Ortsgeschichte – wird gemeinsam beraten.

„Ohne den hohen persönlichen Einsatz von Herrn Zink, der alle Arbeiten ehrenamtlich durchgeführt hat, wäre eine derart umfassende Untersuchung nicht möglich gewesen. Ihm gebührt ein besonderer Dank,“ so Bürgermeister Benjamin Köpfle, der in seinen Dank auch explizit Pfarrerin Birgit Risch und den damaligen Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Matthias Fried, einbezog, die sich sehr für diese Untersuchung eingesetzt haben. 

Den vollständige Kurzbericht von Fabian Simon Zink über die Untersuchung finden Sie hier (PDF-Datei). Herr Zink wird zudem einen noch nicht terminierten Vortrag zu den Funden anbieten.