Anke Helling übernimmt Hausarztsitz
Laudenbach atmet auf: Hausarztversorgung sichergestellt
Der Einsatz hat sich gelohnt: Die Hausarztversorgung in Laudenbach ist für die kommenden Jahre sichergestellt. Bürgermeister Benjamin Köpfle hat mit Anke Helling eine Nachfolgerin für den ansonsten zum 1. Januar wegfallenden Hausarztsitz von Dr. Aman gefunden. Die Laudenbacherin, die bislang eine Gemeinschaftspraxis in Mannheim geführt hat, eröffnet ihre Praxis in den bisherigen Versicherungsbüros in der Paulstraße 13. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin übernimmt, wenn gewünscht, alle Patienten von Dr. Aman. Bei einem Treffen im Rathaus besprachen die Ärztin und Laudenbachs Rathauschef letzte Details.
Denn der Bürgermeister hatte den komplexen Prozess in den vergangenen Monaten eng begleitet und die Medizinerin besonders bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten unterstützt. „Ich freue mich, dass zum 1. Januar mit Anke Helling eine neue Hausärztin in ihrer Heimatgemeinde tätig wird und dass wir unseren hohen Versorgungsstandard im Ort halten können“, betonte Bürgermeister Köpfle. Auch Anke Helling blickt ihrer Praxiseröffnung in der Froschgemeinde bereits entgegen und bedankte sich beim Treffen für die gute Kooperation mit dem Rathaus. „Ohne die Unterstützung der Gemeinde hätte das nicht so reibungslos funktioniert“, erklärte die Ärztin, die in den vergangenen Monaten stets im Austausch mit der Rathausspitze stand.
Denn die Niederlassung von Ärzten ist ein komplexes Konstrukt. Ärzte können sich nicht „einfach so“ niederlassen, wo sie möchten. Dafür benötigen sie einen sogenannten Kassensitz, deren Verteilung die „Kassenärztliche Vereinigung“ regelt. In Laudenbach gibt es für die rund 6.500 Einwohner derzeit drei solcher Hausarztsitze, die sich auf zwei Praxen verteilen. Nach der Schließung der Praxis von Dr. Ruth Aguilar Ende vergangenen Jahres vereint die Praxis von Dr. Durda Kratochwil zwei Sitze. Den dritten Sitz führt bislang Dr. Miguel Aman, der seine Praxis aber zum Jahresende aufgibt. Hätte sich keine direkte Nachfolgepraxis gefunden, hätte sich die Versorgungssituation für die Bergstraßengemeinde dauerhaft verschlechtert. Dabei hätte sich ausgerechnet die vergleichsweise gute Infrastruktur an der Bergstraße negativ ausgewirkt. Denn nach der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung gilt der Bereich Weinheim, zu dem Laudenbach zählt, als einer von ganz wenigen als „überversorgt“. Schließt eine Hausarztpraxis ohne direkten Nachfolger, verfällt der Sitz und wäre auch nicht wieder nachbesetzt worden.
Dabei wollten Bürgermeister Benjamin Köpfle und Gemeinderat nicht tatenlos zusehen. „Die Hausarztversorgung ist zwar keine klassische, kommunale Aufgabe. Trotzdem haben wir die Gemeinde im Sinne der kommunalen Daseinsvorsorge als Vermittler in der Pflicht gesehen, für unsere Bürger aktiv zu werden und zu tun, was wir können“, begründete Köpfle das Engagement. Während andernorts händeringend nach Medizinern gesucht wird, war mit Anke Helling schnell eine Nachfolgerin gefunden. Doch die vermeintlich kleinere Aufgabe, eine geeignete Immobilie für die Praxis zu finden, wurde zur größeren Herausforderung.
Der Bürgermeister wandte sich in den vergangenen Monaten deshalb mehrfach mit öffentlichen Aufrufen im Mitteilungsblatt, auf „Social Media“ oder auf der Homepage der Gemeinde an die Bevölkerung mit dem dringenden Aufruf: Wer Räumlichkeiten zu vermieten hat, solle sich im Rathaus melden.
Thilo Colberg gibt Versicherungsräume ab
Auch diese Initiative zeigte Wirkung: Thilo Colberg, freier Versicherungsmakler in Laudenbach, kam auf die Gemeinde zu und bot an, seinen Bürobedarf zugunsten der Praxis in der Paulstraße zu verkleinern. „Ich bin Herrn Colberg außerordentlich dankbar, dass er sich ohne großes Zögern mit seiner Entscheidung in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat,“ betont Bürgermeister Benjamin Köpfle, der in seinen Dank auch Dr. Miguel Aman für die jahrelange hausärztliche Tätigkeit einschloss. Inzwischen sind alle Verträge unterschrieben und die Tinte trocken: Nach entsprechenden Umbauarbeiten wird Anke Helling zum neuen Jahr ihre Praxis in der Paulstraße eröffnen können – und Laudenbach Bürger können wieder aufatmen.