BIZ-Zukunft: Infoveranstaltung am 16.09.
In der seit über einem Jahrzehnt andauernden Suche nach einer realisierbaren Lösung rund um die Zukunft des Bildungszentrums hat sich eine neue Perspektive aufgetan. Nach dem Ergebnis einer aktuellen Schülerzahlenvorausberechnung und einer Machbarkeitsstudie wäre ein zukunftsgerichteter Neu- und Umbau auf dem heutigen Schillerschulgelände mit zwei Schularten und sieben Zügen möglich. In einer ersten Veranstaltung hat der Schulverband Nördliche Badische Bergstraße bereits die Stadt- und Gemeinderäte sowie die Schulleitungen über diese Lösungsvariante informiert. Am 16. September folgt eine öffentliche Infoveranstaltung für die Bevölkerung, die Raum für Fragen und ausführlichere Hintergrunderläuterungen bietet. Die genaue Uhrzeit und den Ort teilen die Kommunen rechtzeitig vorher mit. Die Entscheidung zur Zukunft des Bildungszentrums fassen anschließend die Stadt- und Gemeinderäte der drei betroffenen Kommunen Hemsbach, Laudenbach und Weinheim in ihren öffentlichen Sitzungen.
Ausgangslage Sondermülldeponie
Dass es überhaupt einen neuen Standort braucht, liegt am Untergrund des heutigen Bildungszentrums. Das BIZ steht auf einer ehemaligen Sondermülldeponie. Zwar besteht für die Schüler keine Gefahr, weil Luft- und Wasserwerte stetig kontrolliert werden. Doch das Gesundheitsamt hat eine Sanierung bereits 2012 verworfen. Von einem Eingriff in den Boden, der bei einer Sanierung in dieser Größenordnung nötig wäre, raten die Behörden dringend ab. In den vergangenen 13 Jahren hat der Schulverband in Rücksprache mit den Gemeinderäten verschiedene Lösungen – etwa einen großen Neubau auf Laudenbacher Gemarkung – prüfen lassen. Eine tragfähige und finanzierbare Lösung gab es bislang nicht.
Demografie und Wirtschaftlichkeit als Schlüsselfaktoren
Wermutstropfen des neuen Konzepts auf dem Schillerschulgelände ist, dass es nicht mit den drei bestehenden Schularten (Gemeinschaftsschule, Realschule, Gymnasium) möglich wäre. Drei Schulen, die acht bis neun Züge benötigen würden, sind gemäß einer Machbarkeitsstudie der Kommunalentwicklung (KE) auf dem Gelände nicht darstellbar. Hintergrund der Überlegungen sind zwei zentrale Entwicklungen: Zum einen zeigt eine aktuelle Schülerzahlenvorausberechnung des Instituts Isoplan aus Saarbrücken einen mittelfristigen Rückgang der Schülerzahlen ab Mitte der 2030er Jahre – trotz insgesamt wachsender Bevölkerungszahlen unter Berücksichtigung der Neubaugebiete im Schulverbandsgebiet bis 2049. Zum anderen macht die Kostenschätzung deutlich, dass ein siebenzügiger Neubau auf dem bestehenden Gelände in Hemsbach rund 20 Millionen Euro günstiger ausfallen würde als ein entsprechender Neubau auf Laudenbacher Gemarkung. In Kombination mit einer deutlich verbesserten Förderkulisse gegenüber dieser Variante käme der Schulverband der Realisierung eines neuen Schulzentrums mit dem nun vorgestellten Projekt einen großen Schritt näher. Damit scheint erstmals in dem langjährigen Prozess überhaupt ein realistisch umsetzbarer Schulneubau in Sicht.
Denn die bisher favorisierte Planung eines großen Neubaus „auf der grünen Wiese“ ist für die drei Kommunen schlicht nicht finanzierbar. Trotz zahlreicher Versuche hat das Land eine Sonderfinanzierung abgelehnt. Ohne die können die drei Kommunen das Projekt nicht stemmen. Übergeordnete Behörden hatten bereits signalisiert, dass sie die Haushalte dann nicht mehr genehmigungsfähig wären und die Kommunen zu sehr in finanzielle Schieflage gerieten. Ein Problem, das sich der Schulstandort mit vielen weiteren bundesweit teilt. Nicht mehr jeder Schulstandort kann sich jede Schulart leisten.
Zukunftssichere Struktur: Gemeinschaftsschule und Gymnasium
Der Lösungsvorschlag sieht vor, nach dem Abschluss der regionalen Schulentwicklung und dem Vorliegen der entsprechenden Gremienbeschlüsse keine neuen Eingangsklassen mehr an der Realschule zu bilden. Stattdessen sollen sich künftig Gemeinschaftsschule und Gymnasium den Standort teilen – beide mit stabilen Schülerzahlen. Damit wären weiterhin alle drei Schulabschlüsse im Schulverbandsgebiet erreichbar. Die gesetzliche Maßgabe besagt, dass jede Schulart in erreichbarer Nähe angeboten werden muss. Das wäre im Schulverband auch im Falle, dass die Realschule nicht weiterbetrieben würde, gegeben. Die Schließung der Gemeinschaftsschule dagegen ist aus diesem Grund keine Alternative. Hier wäre die Entfernung zur nächsten Schule in Heddesheim oder Mannheim deutlich weiter. Zugleich betonen die Verantwortlichen, vor dem Hintergrund der Schülerzahlenprognose keine Überkapazitäten aufbauen zu wollen.
Schüleraufnahme in Weinheim möglich
Für die entfallenden Realschulplätze zeichnet sich indes eine pragmatische Lösung ab: Die bestehenden Realschulen in Weinheim können laut Oberbürgermeister Manuel Just bei einer intelligenten Schülerlenkung zusätzliche Schülerinnen und Schüler aufnehmen. Eine temporäre Nutzung der Klassenzimmer des heutigen Sporttraktes kann kurzzeitige Spitzen bei den Schülerzahlen abfedern.
Behutsamer Schritt mit Rückhalt und Perspektive
Positiv aufgenommen wurden erste Signale des Regierungspräsidiums Karlsruhe und des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Zwar steht eine endgültige formelle Zustimmung noch aus, doch wurde die angedachte Struktur als gangbarer Weg bezeichnet. Auch das Schulamt Mannheim äußerte Verständnis für den geplanten Zuschnitt und verwies auf die landesweit wachsende Notwendigkeit, Bildungsangebote wirtschaftlich und zukunftsorientiert aufzustellen. Das neue Konzept erscheint als erste, genehmigungsfähige Lösung seit Jahren. „Die Konzentration auf zwei starke Schularten ermöglicht es uns, pädagogische Qualität zu sichern und gleichzeitig finanziell verantwortungsvoll zu handeln“, betonte Hemsbachs Bürgermeister und Schulverbandsvorsitzender Jürgen Kirchner. Angesichts des hohen Sanierungsaufwands im Bestand mahnt Kirchner jetzt zügig die notwendigen Schritte zu gehen: „Mit jedem Tag fließen erhebliche Mittel in den Erhalt des alten Schulzentrums – wir sollten jetzt gemeinsam den Weg in die Zukunft gehen.“
Aufgrund der nun vorliegenden Erkenntnisse aus der Schülerzahlenvorausberechnung, soll das Thema nach der Sitzungspause in den politischen Gremien werden. Der eingeschlagene Weg biete jedoch gute Voraussetzungen, um einen tragfähigen Konsens zu erreichen – sowohl in der kommunalpolitischen Debatte als auch in der Abstimmung mit den übergeordneten Behörden sind sich die drei Bürgermeister einig. Einig sind sie sich allerdings auch darüber, dass dieser Prozess noch einige Jahre bis zur Verwirklichung eines Schulneubaus in Anspruch nehmen wird.