Klimaschutz mit den Kleinsten
Hier finden Sie das vollständige Magazin "Energie vor Ort" der KLiBA
Artikel aus der "EvO" Sommer 2025
Laudenbach ist die erste Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis, die mit einer Kindertagesstätte am Förderprogramm „Dein.Klima – Energiesparmodelle an Schulen im Rhein-Neckar-Kreis“ teilnimmt. Die Sonnenbergschule in Laudenbach gehört bereits zu den knapp 20 Schulen im Landkreis, die auch an diesem Förderprogramm der Nationalen Klimaschutzinitiative beteiligt ist. Der Startschuss fiel im Februar 2025 mit einem Einführungs-Workshop der KLiBA in der Kita Kunterbunt. Von Sibylle Heusel
Wie kann Klimaschutz im Alltag einer Kindertagesstätte verankert werden? Das ist seit Februar 2025 Thema in der Kita Kunterbunt in Laudenbach. Insgesamt 158 Kinder, davon 30 Krippenkinder, sowie das 30-köpfige Team aus pädagogischen und hauswirtschaftlichen Mitarbeitenden nehmen damit an dem Förderprogramm „Dein.Klima – Energiesparmodelle an Schulen im Rhein-Neckar-Kreis“ teil. „Die Erziehung ist für das eigene Verhalten so prägend“, betont Bianka Drexler. In Bezug auf Umwelt und Klima erinnert sich die Leiterin der Kita Kunterbunt an ihre eigene Kindheit: „Fenster kippen gab es bei uns nicht“, nennt sie als Beispiel, eine Regentonne im Garten und Fahrradfahren waren völlig normal.“ Im Rahmen des Projekts „Dein.Klima“ geht es jetzt darum, das eigene Verhalten und die Einrichtung noch einmal bewusst unter die Lupe zu nehmen und nach Verbesserungsmöglichkeiten im Kita-Alltag zu schauen. Mit Workshops und vielen praktischen Tipps unterstützt Hanna Henkel von der KLiBA das Team der Kita, damit die Kleinsten in den Schutz der Umwelt „hineinwachsen“.
Workshop für das Kita-Team: Wie groß ist mein ökologischer Fußabdruck?
Daher wurde die wöchentliche Teambesprechung Anfang Februar als Einführungs-Workshop des Projekts gestaltet. Hanna Henkel, die bei der Klimaschutzagentur Heidelberg – Rhein-Neckar-Kreis für „Energiesparmodelle an Schulen“ zuständig ist, hat hier bereits viel Erfahrung. Zunächst wird das Team für die Fragen sensibilisiert: Wie gehen wir mit Ressourcen wie zum Beispiel Strom, Wärme und Wasser um? Nach einem Überblick über Erderwärmung und Klimaschutzziele wird es schnell konkret: Mit allen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde deren ökologischer Fußabdruck ermittelt. Diesen „Test“ kann man auch im Internet machen, fand hier aber ganz „analog“ statt – im Stuhlkreis sozusagen. „Einige von uns hatten ein echtes Aha-Erlebnis“, erzählt Bianka Drexler. „Manche dachten, sie seien eigentlich schon sehr gut mit ihrem Fußabdruck, andere hatten sich noch wenig Gedanken zum Thema gemacht“. So konnten sich alle im Team zunächst „verorten“. Vor allem die Wohnfläche, Heizen, Autofahren und Flugreisen seien als große Energieverbräuche erkannt worden, berichtet Hanna Henkel. Als Handlungsfelder in der Kita wurden im Brainstorming Energie, Konsum, Ernährung, Abfall und Mobilität benannt. Soweit die Theorie.
Experimente mit Aha-Effekt: Strom messen und Heizungsventil prüfen
In dem praxisnahen Workshop führte Hanna Henkel auch kleine Experimente mit dem Team durch. Wieviel Strom braucht der Kühlschrank? „Die Messungen haben einen regen Austausch zwischen den Team-Mitgliedern entfacht“, berichtet Hanna Henkel. In der Kita spielen die Beleuchtung und Haushaltsgeräte wie Spül- und Waschmaschine, Kühlschrank und Wärmebehälter für das Mittagessen eine große Rolle. Jetzt wurden die Strommessgeräte von der KLiBA ausgeliehen, damit die Stromverbräuche – auch zuhause – bestimmt und eingeordnet werden können. „Durch die unterschiedliche Einstellung der Thermostatventile konnten auch die Effekte für sparsames Heizen gezeigt werden“, konstatiert Cornelia Baumgärtner, die seit 2022 als Klimaschutzmanagerin der Gemeinde tätig ist, das Projekt von kommunaler Seite aus begleitet und an dem Workshop ebenfalls teilnahm.
Energiedetektive in der Kita
Viele Methoden lassen sich – ähnlich wie in Grundschulen – auch in einer Kita anwenden. Zunächst kann ein Thema im Stuhlkreis besprochen werden, dann wird spielerisch gelernt. Bildaufkleber an den Lichtschaltern machen sichtbar welche Lichtschalter für welche Lampen sind und erinnern daran, nicht unnötig das Licht brennen zu lassen: Licht aus! Auch die Mülleimer können „beschriftet“ werden und helfen bei der Mülltrennung. „Energiedetektive“ können zum Beispiel die Heizung im Blick behalten oder schauen, dass richtig gelüftet wird – und ist im Papiermüll auch wirklich nur Papier drin? „Detektive“ kann sich Bianka Drexler gut in der Kita Kunterbunt vorstellen. Auch Kleidertauschpartiys oder ein Tauschregal für Spielzeug und Bücher lassen sich dauerhaft einrichten. Die Kita Kunterbunt fängt nicht bei null an: Sie hat bereits einen Trinkbrunnen, denn das Laudenbacher Trinkwasser hat eine sehr gute Qualität. So werden viele Plastikflaschen gespart und zuckerhaltige Getränke werden im wahren Wortsinn überflüssig. Eine der neuen Ideen während des KLiBA-Workshops ist auch die Anschaffung von farbigen Trinkringen für die Becher, freut sich die Kita-Leiterin: „So lassen sich die Becher über den Tag den Kindern zuordnen können und wir sparen Spülgänge und damit Energie.“
Nachhaltiges Buffet beim Kinderfest
Beim diesjährigen Spielefest der Kita im Juli will Bianka Drexler das Thema „Klima“ ganz bewusst einbauen: „Da kann man schon beim Buffet anfangen“. Kurze Wege, kaum Verpackungsmüll und Kochen nach der „Bremer Checkliste“ mit je einmal Fleisch und Fisch pro Woche ist schon Alltag in der Kita Kunterbunt. Für die 128 Kindergartenkinder ist ein Caterer aus dem benachbarten Heppenheim engagiert, die 30 Krippenkinder werden vom Hauswirtschaftsteam vor Ort bekocht. Bei der Reduzierung von Verpackung müssen freilich auch die Eltern mit ins Boot – das Stichwort lautet „Brotdose“. Das Projekt „Dein.Klima“ sieht als Anreiz ein Prämiensystem vor, das auch in der Kita Kunterbunt angewendet werden soll: Mit jeder Aktion oder Maßnahme fürs Klima sammeln die Kinder und das gesamte Team Punkte. Jedes Jahr gibt es eine Prämie in echten Euros.
Laudenbach: Klimaschutz „selbst gemacht“
Während in anderen Kommunen die Förderanträge für mehrere Schulen „en bloc“ durch die KLiBA gestellt wurden, hatte sich die Gemeinde Laudenbach zu Beginn des Programms 2021 selbst um die Teilnahme an dem Förderprojekt bemüht und den Antrag für die Sonnenbergschule sowie – eine Premiere im Rhein-Neckar-Kreis – für die kommunale Kindertagesstätte eingereicht. Im Jahr 2023 wurden die Fördergelder bewilligt und die Begleitung durch die KLiBA begann mit der Auftaktbegehung. Das Projekt wird bis Ende 2027 gefördert. Ziel ist es, auch über den Förderzeitraum hinaus Strukturen zu schaffen, die den nachhaltigen Umgang mit Energie- und Ressourcen fördern und dafür sensibilisieren. Die Prämienüberreichung, die am Ende jeden Schul- bzw. Kita-Jahres vor Ort in Laudenbach stattfinden wird, macht auch die Öffentlichkeit auf das Projekt und die Aktivitäten der Schule und Kita aufmerksam, freut sich die Klimaschutzmanagerin der Gemeinde, Cornelia Baumgärtner.