Ein Volltreffer aus Eiern, Mehl & Zucker
Diese Johannisbeertorte ist ein Segen. Das sagt Sebastian Woytinnek. Und weil sie an diesem Nachmittag zwischen Weihwasser und Altar angeschnitten wird, darf man das ruhig wörtlich nehmen. Denn der Pädagoge vom Hemsbacher Schafhof meint damit nicht nur den Geschmack der sommerlichen Versuchung. Der eigentliche Segen steckt weder auf dem Teller zwischen dem fluffigen Teig, den süß-sauren Johannisbeeren noch in der St. Bartholomäus Kirche selbst – er steckt in dem, was die Katholischen Frauen (KFD) in den vergangenen Wochen einige Meter vorm Kirchenportal mit Eiern, Mehl und Zucker einmal mehr auf die Beine gestellt haben.
Seit Ende März verkaufen die Laudenbacherinnen wieder jeden Freitag auf dem Wochenmarkt ihre Kuchen. „Acht bis zehn Kuchen selbstgebackene Kuchen und Torten haben wir immer dabei“, schildert Monica Schmitterer, die die Markteilnahme der KFD-Frauen organisiert. In nicht einmal vier Monaten haben die ehrenamtlichen Bäckerinnen so 2.500 Euro gesammelt. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits der ASB-Wünschewagen, die Hospizhilfe, die Kinderkrebshilfe, das Frauenhaus Bergstraße oder die Alwine-Stiftung von der Laudenbacher Backleidenschaft profitiert haben, ist nun der Schafhof in Hemsbach dran. Die intensivpädagogische Einrichtung im Hemsbacher Vorgebirge begleitet Kinder und Jugendliche nach schwerwiegenden Lebenserfahrungen und ist Teil des Pilgerhauses Weinheim. Dort ist der Geldsegen zur Freude von Sandro Furlan bereits aufs Konto gesegelt. „Wir waren total überrascht, als der Betrag bei uns aufgeploppt ist“, berichtet Furlan, der beim Pilgerhaus für Kommunikation und Fundraising zuständig ist, bei der symbolischen Übergabe des Schecks in der Laudenbacher Kirche. Dass nur mit Kuchen so viel Geld zusammen kommt, damit haben weder Furlan noch Sebastian Woytinnek gerechnet. „Wir sind total begeistert“, sagt Woytinnek in Richtung der Frauen. Um eine Kostprobe von Rita Sturms Johannisbeertorte kommt der Pädagogische Leiter des Schafhof selbstverständlich nicht herum. Denn obwohl der Wochenmarkt und Kuchenverkauf an diesem Freitag wegen der sengenden Hitze abgesagt wurde, haben es sich die Bäckerinnen natürlich nicht nehmen lassen, wenigstens zur Spendenübergabe etwas zu backen.
Kuchen ermöglichen Fußballplatz
Dass die Spendensumme so hoch ausfällt, birgt vor allem für die Kinder im Schafhof selbst eine positive Überraschung. „Eigentlich wollten wir von dem Geld gemeinsam Eis essen gehen und vielleicht Mal ins Kino“, erklärt Woytinnek lachend, „da sollte noch etwas übrig bleiben“. Doch auch der Überschuss sei gut angelegt, versichert er und hat bereits eine konkrete Idee: „Wir haben oben auf dem Schafhof eine Art provisorischen Bolzplatz. Mit dem Geld können wir daraus endlich einen vernünftigen, kleinen Fußballplatz für unsere Kinder machen“, freut er sich. Denn bisher fliegen die Bälle oft noch in Richtung der Fenster oder Straße, der Platz selbst ist schepp. Für solche Dinge außerhalb der „Pflichtaufgaben“ sei praktisch kein Geld da, erklärt er. Damit meint der Pädagoge nicht nur den Fußballplatz, sondern auch Dinge wie Ausflüge ins Theater oder Kino oder zum Eisladen in Weinheim. Dabei seien gerade solche Projekte außerhalb des geregelten, therapeutischen Angebots „mega wichtig“ für die Kinder und Jugendlichen im Schafhof. „Da sind wir auf Geld von außen in Form von Spenden angewiesen“, sagt Woytinnek. Gerade die drohenden Einsparungen im Bereich der Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe könnten Institutionen wie den Schafhof vor große Herausforderungen stellen.
Mit dem 2.500 Euro will das Pilgerhaus nun erst einmal den kleinen Bolzplatz mit einem Bagger begradigen lassen und ein paar Netze anbringen. „Es ist einfach schön, wenn unsere Spende so einen nachhaltigen Effekt hat“, freut sich Monica Schmitterer. Die Laudenbacher Bäckerinnen sind natürlich zum Eröffnungsspiel eingeladen – und werden ziemlich sicher Kuchen im Gepäck haben.
Der Schafhof
In Teilen des Schafhof (auch Waldnerhof) befindet sich ein intensivpädagogisches Wohnangebot des Pilgerhauses Weinheim für Kinder und Jugendliche. Das denkmalgeschützte Gehöft mit sechs Gebäuden und zwei Scheunen befindet sich auf einem 14.000 Quadratmeter großen Areal inmitten eines Naturschutzgebietes in Richtung Watzenhof/Balzenbach. Derzeit wohnen in der autarken Einrichtung unterhalb des Vierritterturms 13 Jungen und Mädchen. Das Pilgerhaus begleitet die Kinder und Jugendliche in den zwei Wohngruppen „Löwenherz“ und „Langstrumpf“, die teilweise traumatische Lebenserfahrung gemacht haben. Der Standort inmitten von Wiesen und Feldern bietet viel Raum für Kreativität und Ruhe. Zu den Schwerpunkten zählen tiergestützte Pädagogik mit Schafen, Hühnern oder Kaninchen, Musik- und Kunsttherapie oder Sportangebote. In der geschützten Umgebung können Jungen und Mädchen ein neues Selbstverständnis entwickeln und ihre sozialen Kompetenzen stärken. Die Kinder sind aktiv in die Versorgung der verschiedenen Stall- und Weidetiere eingebunden.
Mehr Informationen zum Schafhof und zum Pilgerhaus gibt es hier.