Aktuelles aus der Gemeinde: Gemeinde Laudenbach

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"Jetzt geht's richtig los"

Artikel vom 29.04.2026

Stetig hebt und senkt sich das Mahlwerk. In einem beinahe kreisenden Rhythmus schiebt sich der Unterkiefer auf, ab und leicht zur Seite. Nicht hastig, sondern ganz gemütlich zupfen die Wiederkäuer ein Blatt nach dem anderen aus dem Gestrüpp. Was für Ziegen das Natürlichste der Welt ist, ist gleichzeitig auch eine ganz natürliche und schonende Entbuschung für die darum liegende Natur. Im Laudenbacher Vorgebirge sind die Tiere das erste Zeichen eines tiefgreifenderen Verfahrens: Der Flurbereinigung im Bereich "Obere Hassel".

Die kann nach langer und komplexer Planungsphase nun endlich starten. Nachdem sich sogar der Minister für Ländlichen Raum und damit oberster Chef der Flurneuordnungsbehörde Peter Hauk ein Bild vor Ort gemacht und ins Goldene Buch der Gemeinde eingetragen hatte, hat er im Dezember 2025 auch einen entsprechenden Bewilligungsbescheid übergeben. Die Umsetzung vor Ort – also im Vorgebirge oberhalb der evangelischen Kirche – beginnt nun mit vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen. Neben den Ziegen, die zwischen Brombeersträuchern und ehemaligen, von Büschen überzogenen Rebflächen als schonendes "Räumkommando" arbeiten, sind auch zwei große, gelbe Schilder erste sichtbare Zeichen der bald startetenden Arbeiten. Die Schilder stehen am Detschbrunnenweg und der Eichenhölle – den beiden Hauptzufahrten zum Gebiet.

Dort haben sich nun auch die Beteiligten ein Bild von den beginnenden Maßnahmen gemacht: Die zur Teilnehmergemeinschaft zusammengeschlossenen Grundstückseigentümer selbst, vertreten durch den Vorsitzenden Alois Nickel und seinen Stellvertreter Bernhard Boppel, Bürgermeister Benjamin Köpfle sowie Christian Tittmann und Harry Roth vom Amt für Flurneuordung. Die Behörde des Rhein-Neckar-Kreises verantwortet das Verfahren samt Planung und Umsetzung. Zu den Ausgleichsmaßnahmen für die späteren Wegearbeiten gehört beispielsweise auch das Ausbringen von Nisthilfen für Vögel, Nagetiere und Fledermäuse. Über 70 sind im Gebiet bereits angebracht worden.

Denn das Flurneuordnungsverfahren hat zwei Hauptziele: Infrastruktur und Bewirtschaftung verbessern und damit Kulturlandschaft und Artenvielfalt im Vorgebirge langfristig erhalten. Denn die schmalen und in zunehmend schlechten Zustand befindlichen Wege im Vorgebirge haben vor allem eine maschinelle Bewirtschaftung an vielen Stellen im Steilhang fast unmöglich gemacht und bereits einige Winzer und Grundstücksbesitzer zur Aufgabe gezwungen. Im Fokus des Flurbereinigungsverfahren steht deshalb die Wiederherstellung von Wegen, um die Erschließung der Grundstücke und eine maschinengerechte Bewirtschaftung für Reb-, aber auch Streuobst und Grünlandflächen zu gewährleisten. Denn die Bewirtschaftung aufzugeben und die Natur völlig sich selbst zu überlassen, hätte weitreichende Folgen: Die zunehmende und bereits fortgeschrittene Verbuschung würde den für die Bergstraße typischen und jahrhundertealten Weinbau samt seiner daran angepassten Artenvielfalt vollends verdrängen. Die Folge wäre ein Rückgang der Biodiversität und der Verlust landschaftsprägenden Elemente.

Weitere Informationen unter: www.lgl-bw.de/3111

Flurbereinigung – was ist das?

Eine Flurbereinigung ist ein staatlich geleitetes Verfahren, das Grundstücksverhältnisse in einem bestimmten Gebiet neu ordnet. Oftmals werden kleine, zersplinterte Flächen in schwierig zu erreichenden Lagen neu aufgeteilt oder getauscht, sodass größere und besser erreichbare Grundstücke entstehen.

Was bringt das?

Der Tausch und Landwirtschafts- und Forstflächen soll grundsätzlich die Infrastruktur verbessern und damit eine effizientere Bewirtschaftung oder bessere Erreichbarkeit zu Wegen oder Gewässern ermöglichen.

In Laudenbach soll die Flurbereinigung:

  • Verbuschung stoppen
  • den landschaftsprägenden Weinbau mit seiner artenreichen Kulturlandschaft erhalten
  • Biodiversität erhalten
  • maschinengerechte Bewirtschaftung für Landwirte und Winzer wieder ermöglichen
  • Zugänglichkeit zu Grundstücken verbessern

Landschaftspflegerische Maßnahmen sollen in erster Linie dem ökologischen Ausgleich sowie der weitgehenden Erhaltung vorhandener Landschaftselemente dienen. Gleichzeitig werden Entwicklungsziele des ILEK „Blühende Badische Bergstraße“ umgesetzt.

Die Umsetzung der vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen werden genauso wie die eigentlichen Bauarbeiten von einem unabhängigen Büro im Rahmen der Umweltbaubegleitung überwacht.

Warum in Laudenbach?

Im Gebiet „Obere Hassel“ werden viele Flächen kaum noch bewirtschaftet. Viele wurden in den vergangenen Jahren wegen schlechter Zugänglichkeit aufgegeben.
Die Gründe sind:

  • schwierige Lage (Steillagen)
  • schlechte oder fehlende Wege
  • viele kleine, ungünstig geschnittene Grundstücke

Um den landschaftsprägenden Weinbau und die artenreiche Kulturlandschaft zu erhalten, ist ein dringender Neuordnungsbedarf vorhanden.

Wo genau?

Das Gebiet "Obere Hassel" ist etwa 23 Hektar groß und befindet sich im Laudenbacher Vorgebirge. Die Hauptzufahrten sind am Detschbrunnenweg und der Eichenhölle. Zur Teilnehmergemeinschaft als betroffene Grundstücksbesitzer gehören 158 Teilnehmer. Die Fläche besteht im westlichen Teil aus weinbaulich genutzten Flächen, im östlichen Teil überwiegt die Streuobst- und Grünlandnutzung.

Warum hat es so lange gedauert?

Das Verfahren läuft bereits seit 2011 und war sehr komplex. Bei solchen Verfahren besteht einerseits großer Abstimmungsbedarf zwischen den vielen, verschiedenen Grundstücksbesitzern. Andererseits sind umfangreiche Abstimmung mit Behörden und die Einholung zahlreicher Gutachten nötig. Teilweise haben sich gesetzliche Anforderungen an den Naturschutz während der Planung geändert.

Wer bezahlt das?

Der Großteil der Kosten (ca. 2,1 Millionen Euro) wird durch Bund und Land gefördert (1,8 Millionen Euro).
Den Rest tragen:

  • die Teilnehmergemeinschaft (320.000 Euro)
  • die Gemeinde Laudenbach als freiwilliger Beitrag