Offener Brief zur Brücke am Erbachwiesenweg
Der Offene Brief von Bürgermeister Benjamin Köpfle und den Fraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und Grünen im Wortlaut
Zur Ablehnung eines Wiederaufbaus der Brücke „am Erbachwiesenweg“ durch die Stadt Heppenheim
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit vielen Jahren kämpfen wir gemeinsam mit allen Fraktionen des Gemeinderats, Bürgermeister, Verwaltung und der Bürgerschaft für den Wiederaufbau der Brücke „Am Erbachwiesenweg“. Leider müssen wir rund dreieinhalb Jahre nach dem Abriss feststellen: Die Stadt Heppenheim will diese Brücke nicht.
Enttäuscht und mit großem Unverständnis müssen wir einen entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Heppenheim vom 11.12.2025 zur Kenntnis nehmen, den Wiederaufbau der Brücke im Rahmen der Raddirektverbindung nicht weiter zu verfolgen – trotz einer nahezu einmaligen Finanzierungschance durch Fördergelder.
Wichtige Verbindung
Die in den 60er Jahren erbaute Brücke „Am Erbachwiesenweg“ war bis zu ihrem Abriss über mehrere Jahrzehnte die zentrale Verbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Heppenheim und Laudenbach. Damit stellte sie wortwörtlich den Brückenschlag zwischen zwei Kommunen, zwei Landkreisen und zwei Bundesländern dar. Sie stand wenige Meter hinter der badisch-hessischen Grenze vollständig auf der Gemarkung der Stadt Heppenheim. Seit dem Jahr 2019 war die Brücke für den motorisierten Verkehr gesperrt. Es herrschte schnell Konsens, dass eine Verbindung für Kraftfahrzeuge an dieser Stelle auch in Zukunft keinen Sinn mehr macht. Im Jahr 2021 ließ die Stadt Heppenheim die Brücke wegen Schäden und Sicherheitsbedenken vollständig sperren und schließlich im Jahr 2022 abreißen. Die Widerlager sollten damals bewusst für einen potenziellen Wiederaufbau stehen blieben – so die Ankündigung der Stadt Heppenheim.
Einsatz für den Wiederaufbau
Seitdem haben wir uns gemeinsam mit Nachdruck für einen Wiederaufbau stark gemacht. Bereits vor, während und auch nach dem Abriss haben wir wiederholt auf die herausragende Bedeutung der Brücke hingewiesen. Wir haben dutzende Gespräche geführt, Schreiben verfasst, uns an Landesministerien gewandt, Termine vor Ort initiiert und immer wieder den Dialog gesucht – konstruktiv, lösungsorientiert und mit dem klaren Willen zur interkommunalen Zusammenarbeit. Dabei haben wir stets deutlich gemacht: Die Gemeinde Laudenbach ist bereit, sich finanziell am Neubau zu beteiligen. Eine durch die Gemeinderatsfraktionen initiierte Petition erbrachte in kurzer Zeit über 1.000 Unterschriften, die an die Stadt Heppenheim übergeben wurden.
Das alles zeigt: Die Brücke „Am Erbachwiesenweg“ ist nicht nur „nice to have“. Vielmehr hat sie eine wichtige, überörtliche Funktion: Als Schul- und Arbeitsweg, als Teil der Naherholung und als Alltags- und Einkaufsweg ist die Verbindung auch ein wertschöpfender Wirtschaftsfaktor insbesondere für die Stadt Heppenheim.
Vorzugstrasse bei der Radwegplanung
Dass die Brücke die sinnvollste Verbindung für Radfahrer und Fußgänger zwischen Heppenheim und Laudenbach ist, zeigt auch die überregionale Radwegplanung. Ob in der Machbarkeitsstudie der Metropolregion Rhein-Neckar für einen Radschnellweg oder in den jüngsten Planungen des Kreis Bergstraße für eine Raddirektverbindung aus dem Jahr 2025: In nahezu allen Planungen von Radschnell- oder Direktwegen zwischen Darmstadt und Weinheim wird ebendiese Route über den Erbachwiesenweg als Vorzugsvariante genannt.
Dabei würde die Verbindung über den Erbachwiesenweg direkt ans badische Radnetz hinter der Brücke anschließen und könnte auch bei zukünftigen Radschnellwegplanungen genutzt werden. Für ein zukunftsfähiges, länderübergreifendes Radnetz ist die Brücke „Am Erbachwiesenweg“ unverzichtbar. Neben Vertretern der Gemeinde Laudenbach haben sich auch Kreisräte, die beteiligten Landräte und Landespolitiker für den Wiederaufbau stark gemacht.
Einmaliger, finanzieller Schulterschluss
Brücken zu bauen ist gerade vor dem Hintergrund der angespannten, kommunalen Finanzen schwierig. Doch was die aktuelle Situation so besonders macht, ist die außergewöhnliche Förderkulisse: Das Land Hessen fördert Raddirektverbindungen mit bis zu 70%. Der Kreis Bergstraße hat signalisiert, von den übrigen Kosten die Hälfte zu tragen. Darüber hinaus hat auch das Land Baden-Württemberg Fördermittel in Aussicht gestellt – für einen Neubau auf hessischer Gemarkung ein sicher einmaliger Vorgang. Auch wir als Gemeinde stehen weiterhin zu unserer Zusage, uns finanziell zu beteiligen. Ein solcher länderübergreifender Schulterschluss ist nahezu einmalig, die finanzielle Belastung der Stadt Heppenheim marginal.
Lassen Sie es uns so deutlich sagen: So günstig wird man diese Brücke nie wieder realisieren können. Wer diese Chance verstreichen lässt, wird sich künftig kaum darauf berufen können, dass ein Neubau zu teuer gewesen sei.
Vor diesem Hintergrund lässt die Ablehnung der Stadt Heppenheim nur einen Schluss zu: Die Stadt Heppenheim möchte diese Brücke nicht. Der Eindruck drängt sich auf, dass die Brücke schlicht nicht gewollt ist – trotz ihrer unbestrittenen, fachlichen Sinnhaftigkeit, trotz der überregionalen Bedeutung und trotz der außergewöhnlichen Finanzierungsmöglichkeit.
"Interkommunale Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße"
Selbstverständlich kann und darf die Stadt Heppenheim selbst entscheiden, wie sie verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgeht und welche Projekte für sie Priorität haben. Und selbstverständlich respektieren wir Entscheidungen, die dort in demokratischen Gremien gefällt werden. Doch zugleich ist interkommunale Zusammenarbeit auch keine Einbahnstraße.
Als Gemeinde Laudenbach haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass wir zu verlässlicher und solidarischer Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg mit der Stadt Heppenheim bereit sind – auch dann, wenn dies mit dem Einsatz personeller und finanzieller Mittel verbunden war. Wir dürfen an dieser Stelle an den beständigen Laudenbacher Einsatz für Belange des Heppenheimer Ortsteils „Ober-Laudenbach“ bei Projekten wie beispielsweise der Neuorganisation der Wasserversorgung in der Hochzone, der Löschwasserversorgung oder vieles mehr erinnern.
Umso enttäuschender ist für uns nun die Entscheidung aus Heppenheim. Sie kappt nicht nur eine wichtige Verbindung, sondern belastet auch die Zusammenarbeit und sendet ein fatales Signal über Landes- und Kreisgrenzen hinweg. Wir appellieren daher eindringlich an die Verantwortlichen der Stadt Heppenheim, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken.
Die Gemeinde Laudenbach steht weiterhin partnerschaftlich bereit.
Benjamin Köpfle, Bürgermeister
Dr. Eva Schüßler, Fraktionsvorsitzende CDU
Ulrike Schweizer, Fraktionsvorsitzende
SPD Isabelle Ferrari, Fraktionsvorsitzende Grüne